Biosafety

1. November 2010

Wissenschaftler, Unternehmer und Investoren scheinen gleichermaßen von den Möglichkeiten, die das Feld der synthetischen Biologie bietet oder in Zukunft bieten könnte, elektrisiert. Sie träumen von der Zusammenführung von Lebens- und Ingenieurwissenschaften, von kostengünstig produzierten Medikamenten oder der Lösung des Energieproblems (siehe Debattenkarte zu synthetischen Biofuels). .

Aber verstehen sie wirklich, was sie im Labor neu erschaffen? Ist es überhaupt möglich, die möglichen Folgen dieser Handlungen vollständig abzusehen? Was passiert, wenn die neuen Designer-Moleküle aus Versehen in die freie Natur gelangen? Wenn sie sich durch zufällige Mutationen verändern oder Genmaterial mit natürlichen Organismen austauschen?

 

Skeptiker fordern aufgrund der vielen unbeantworteten Fragen Moratorien für die SynBio-Forschung. Befürworter halten das für den sicheren Weg, sich im internationalen Technologiewettbewerb ins Aus zu manövrieren. Ihrer Meinung nach reichen die Gesetze und Vorschriften, denen gentechnische Verfahren und genveränderte Organismen heute schon unterliegen.

Denn synthetische Biologie bewegt sich nicht im rechtsfreien Raum. Die Methoden sind Weiterentwicklungen molekularbiologischer Mechanismen, die in Laboratorien weltweit seit Jahren angewandt werden und die strengen Reglementierungen unterliegen. Doch decken die bestehenden Regeln wirklich alle Neuerungen, die SynBio möglich macht, ab? Wo gibt es Lücken, wo schafft SynBio mehr oder andere Risiken, als aus der Gentechnik-Debatte bekannt sind? Darum dreht sich die Biosafety-Debatte.

 

Die Debattenkarte zeigt die Argumente im einzelnen:

.

Zur Einführung: Die aktuelle Zwischen-Bilanz fasst den Stand der Debatte zusammen und führt durch die Karte.

16 Responses to Biosafety

  1. jgr on 2. November 2010 at 12:57

    Eine weitere Frage hinsichtlich Biosafety: Wie kann verhindert werden, dass Gene für gefährliche Substanzen in falsche Hände geraten?

    • admin on 5. November 2010 at 15:52

      Diese Frage wird unter Biosecurity behandelt. H

  2. jgr on 2. November 2010 at 12:59

    Ralf Wagner, Vorstandschef Geneart:
    Bei jeder Anfrage werde automatisch überprüft, aus welchem Land die Order stammt. Das Ergebnis wird mit einer von Geneart erweiterten Liste des Bundesamts für Ausfuhrkontrolle und Wirtschaftsförderung (BAFA) abgeglichen: Sie verzeichnet Länder, die keinesfalls beliefert werden sollen. Zweitens gibt die „Hadex-Liste“ der BAFA vor, welche Adressen im weitesten Sinne mit terroristischen Organisationen zusammenhängen könnten. Drittens gleicht Geneart alle georderten Gen-Sequenzen mit einer ständig aktualisierten internationalen Datei ab, die alle potenziell gefährlichen Gen- Sequenzen enthält. Derlei Gene dürfen dann ausschließlich in EU-Länder verschickt werden, wobei die BAFA nochmals prüft, wer der Kunde ist.

  3. jgr on 2. November 2010 at 13:00

    Allerdings: Solche Regeln sind nicht international vereinheitlicht.

    • jgr on 2. November 2010 at 13:06

      Beispiel: Ein Journalist der britischen Zeitung The Guardian bestellte bei einer australischen Gensynthese-Firma Teile des Pockenvirus und bekam sie tatsächlich geliefert.

      • jgr on 2. November 2010 at 13:07

        Ralf Wagner, Vorstandschef Geneart: Wir beliefern zudem grundsätzlich keine Privatpersonen.

  4. jgr on 3. November 2010 at 13:00

    Warum reichen die bestehenden Sicherheitsvorschriften für genveränderte Organismen nicht aus? Inwieweit sind mittels synthetischer Biologie erzeugte Moleküle oder gar Organismen gefährlicher, risikoreicher, unberechenbarer?

    • jgr on 3. November 2010 at 13:09

      Beispiel: BioCircuits.
      Bei einem “herkömmlichen” GMO werden einzelne Teile der Erbinformation von einem Donororganismus übertragen, bei Synbio womöglich ganze Systeme, Hunderte bis Tausende Merkmale aus verschiedenen Donororganismen. All die möglichen Interaktionen unter diesen Merkmalen, die in der Natur so gar nicht vorkommen, können mit etablierten Risikobewertungsmethoden nicht bewertet werden. Niemand kann das Verhaltensrepertoire so einer synthetischen Zelle zuverlässig vorhersagen, erst recht nicht, wenn das neu geschaffene Netzwerk sich evolutionär verändert.

      (Do I Understand What I Can Create?
      Biosafety Issues in Synthetic Biology, Markus Schmidt, Synbiosafe.eu)

  5. jgr on 3. November 2010 at 13:31

    Die Regeln hinsichtlich Biosafety mögen ausreichend sein, doch synthetische Biologie macht in der Tendenz und Zielsetzung das Manipulieren an biologischen Systemen immer einfacher – so einfach, dass die Eintrittsschranken für Amateure sinken. Und die kennen die Regeln nicht bzw. wissen sie nicht anzuwenden.

    • jgr on 3. November 2010 at 13:35

      Deshalb sind Bildung, Training und entsprechende Kontrollmechanismen (zB Zugang zu x ist nicht möglich ohne Nachweis entsprechender Qualifikation) dringend nötig.
      (Do I Understand What I Can Create?
      Biosafety Issues in Synthetic Biology, Markus Schmidt, Synbiosafe.eu)

      • jgr on 3. November 2010 at 13:42

        Sind “Biohacker” und “Do-it-yourself-Biologen” aber wirklich ein ernstzunehmendes Problem?

  6. admin on 4. November 2010 at 08:46

    “Die Ausgangslage für eine klassische Risikobewertung fehlt”. Stimmt das? (Wie) unterscheiden sich die als “synthetisch” bezeichneten Organismen von gentechnisch veränderten Organismen?

    • admin on 4. November 2010 at 08:46

      Eckard Boles (Inst f Molekulare Biowiss, Ffm), per Mail:
      Alle heutzutage als synthetisch bezeichneten Organismen sind
      nichts anderes als die klassischen gentechnisch veraenderten
      Organismen (GVO/GMO). Schon vor 20 Jahren haben wir
      Ansaetze bearbeitet, eine Minimalhefezelle herzustellen oder
      neue Stoffwechselfunktionen in Mikroorganismen einzubringen.
      Der einzige Unterschied ist, dass frueher die Gene aufwaendig
      isoliert werden mussten, waehrend sie heute synthetisch
      hergestellt werden. Das Ergebnis und die daraus resultierenden
      GVOs sind aber im Prinzip das gleiche, nur ihre Herstellung ist
      schneller und zielgerichteter.

  7. admin on 4. November 2010 at 08:53

    Behauptet wird: “Vergleichsgrößen für das Vorsorgeprinzip sind nicht gegeben”. Denn: “Künstliche Organismen haben unvorhersehbare Eigenschaften.”
    Sowie: “Gefahr der Übertragung aktiver genetischer Elemente auf natürliche Organismen (zB Bodenbakterien) – horizontaler Gentransfer”. Trifft diese Begründung zu?

    • admin on 4. November 2010 at 08:53

      Eckard Boles (Inst f Molekulare Biowiss, Ffm), per Mail:
      “Durch das Zusammenbringen neuer verschiedener
      Stoffwechselfunktionen in einen Organismus ist es durchaus
      denkbar, dass dieser ganz neuartige Stoffe/Chemikalien
      produziert, die es in dieser Weise in der Natur noch nicht gibt.
      Dem muss natuerlich sicherheitstechnisch Rechnung getragen
      werden.”

  8. admin on 17. November 2010 at 21:48

    Raik Grünberg (via Mail):
    I am Synthetic Biologist myself and have been active in the scene (iGEM, standardization etc) since several years. Debates are necessary and, from a first glance, I really like the idea of a moderated and graphically accessible discussion. The one thing I do not quite like though is the way the topic was framed.
    Is Synthetic Biology useful or dangerous, should it be allowed or forbidden… these Yes/No options push the debate into the old GMO trenches and risk ideological rather than open discussions. Of course you need some controversy to spark interest but starting with the old tiring bio safety debate was perhaps not a good idea.

    Just as with GMOs, some of the interesting questions to debate in society would be how access to the technology is organized, who is profiting from it, where we see potential conflicts of interests (big versus small business, consumers versus producers, first world versus third world….) In other words, how in this project “Synthetic Biology” can we maximize benefits to society and minimize risks?

    Anyway, Good luck with the discussion and I will see whether I can contribute here or there.
    Raik
    Posted by Raik Grünberg

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